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Selfpublisher-Verkaufsplattformen: Books on Demand

Ziemlich genau sechs Wochen nach meiner Begrüßung verabschiedete ich mich von Bookmundo und wechselte zu Books on Demand (BoD). Ich hatte mir das gut überlegt, weil ich mich für mindestens ein Jahr binden musste. Letztendlich sah ich keine Alternative mehr.

Bis auf das Impressum und die von Books on Demand kostenlos zur Verfügung gestellte ISBN war das Buch identisch. Ich konnte die nahezu gleiche Druckdatei hochladen. Gleichzeitig nahm ich bei Amazon das Taschenbuch aus dem Programm. Wie gesagt erlaubt BoD keine Parallelveröffentlichungen. Und das Taschenbuch würde über BoD bei Amazon wieder auftauchen.

Die im BoD-Webshop und bei meiner befreundeten Buchhändlerin angegebenen Lieferzeiten waren kaum besser als die von Bookmundo. Hier wurde immerhin der Grund genannt. Während der Pandemie hatten viele Leute die Zeit, Bücher zu schreiben. Außerdem waren unzählige Menschen im Homeoffice, auf Abstand oder schlimmstenfalls in Quarantäne. BoD kam mit dem Drucken nicht mehr nach, versprach aber so schnell wie möglich Abhilfe. Es hatte also nicht an Bookmundo gelegen. Da die am Barsortiment von Libri hängen, lassen sie vermutlich bei BoD drucken.

Trotzdem empfand ich Books on Demand von Anfang an als engagierter, aktiver und mehr als Verlag. Auf der Webseite gibt es einen Blog, der regelmäßig neue Beiträge bringt: Buchvorstellungen, Schreibwettbewerbe, den Autor des Monats und Ähnliches. Auch der Blick in den YouTube-Kanal zeigt den Unterschied. Bei Bookmundo acht Videos, fünf Jahre alt, über Selfpublishing mit Bookmundo. Bei BoD über 70 Videos mit Streams, Lesungen, Workshops, Poetry Slams und Berichten von Buchmessen.

Die Lieferzeiten haben sich im Übrigen tatsächlich normalisiert. Der BoD-Webshop kann sofort liefern, Amazon ebenfalls, und bei den Buchhändlern dürfte es nicht anders sein.

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Selfpublisher-Verkaufsplattformen: Bookmundo

Um dem Buchhandel wenigstens die theoretische Möglichkeit zu geben, das Taschenbuch zu bestellen, entschied ich, auch auf Bookmundo zu veröffentlichen. Das Format mit 12 x 19 cm war so nahe an dem des Amazon-Taschenbuchs, dass die Änderungen an der Druckvorlage kein Problem waren. Ich musste lediglich die Stege bzw. die Ränder um den Textblock verkleinern und das Impressum austauschen. Fertig.

In einer E-Mail beglückwünschte mich Bookmundo zum Stand eines veröffentlichten Autors, mahnte aber im nächsten Satz, mich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen (auf welchen eigentlich?), sondern das Kaufinteresse anzukurbeln. Dafür wurden mir folgende Aktivitäten vorgeschlagen:

  1. Verewigen Sie Ihr Buch, indem Sie ein Exemplar an die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) schicken.
  2. Nehmen Sie Kontakt mit lokalen Medien oder Online-Influenzern und -Communities auf.
  3. Laden Sie Leute zu einer Buchvorstellung ein.

Hmmm, ob das der Weisheit letzter Schluss ist, wagte ich zu bezweifeln. Die Nationalbibliothek zu bemustern, ist eine Pflichtübung, die zum Beispiel BoD für seine Autoren als kostenlosen Service übernimmt. Mit Verkaufsförderung hat das in keinem Fall was zu tun, wie auch die beiden anderen „Tipps“ mehr nach eingebremstem Ankurbeln klangen.

Eigentlich hatte ich solche Aktivitäten auch von Bookmundo erhofft. Auf der eigenen Webseite nennen sie eine Partnerschaft mit mehreren großen Buchhandlungen. Die wären als Initiativabnehmer, gerne mit Remissionsrecht, schon mal erfreulich gewesen. Nur: Da tat sich nichts. Das Buch war zwar flott im Bookmundo-eigenen Webshop gelistet, aber auch hier herrschte Totenstille.

Dafür tauchte es nach einiger Zeit bei Amazon auf – mit einer Lieferzeit von zwei bis drei Wochen. Ich telefonierte mit einer befreundeten Buchhändlerin und bat sie, bei sich im System nachzuschauen. Ja, das Buch sei gelistet und bestellbar mit einer Lieferzeit von 15 Tagen. Da kamen mir erste ernsthafte Zweifel, ob das mit Bookmundo eine gute Idee war.

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Druckvorlagen Konvertierung (Taschenbuch Amazon KDP)

Die Druckvorlagen Konvertierung für das Taschenbuch bei Amazon KDP war die nächste Herausforderung. Das eBook im Kindle-Format hatte ich auf Amazon erfolgreich veröffentlicht. Alle waren zufrieden, im Zweifel auch die Nicht-Kindle-Nutzer, weil es seit einiger Zeit eine Kindle-App gibt, die auf nahezu allen Geräten läuft. Jetzt stand das Taschenbuch an.

Amazon KDP fragte mich zuerst, welches Taschenbuchformat es den sein soll. Dazu muss man wissen, dass Amazon als US-amerikanischer Konzern die dort üblichen Formate anbietet und nicht die hier gängigen. Ich wählte mit 5 x 8 Zoll, was 12,7 x 20,3 cm entspricht, ein Format, das denen in Deutschland möglichst nahekommt. Amazon KDP schickte mir daraufhin per Download ein einfaches Excel-Programm mit den Daten für die Anlage des Textblocks im Buch. Durch die Eingabe unterschiedlicher Maße lassen sich bestimmte Parameter nach eigenem Geschmack variieren, zumal die angezeigten Werte Grenzwerte sind. Wenn zum Beispiel mehr Freiraum an den Rändern gewünscht wird, kein Problem. Aber wie den Textbereich in den angegebenen Maßen füllen, so dass es wirklich wie ein Buch aus einem Verlag aussieht?

Um eine konkrete Vorstellung zu bekommen, um was es hier geht, nehme man sich ein beliebiges Buch aus einem beliebigen Verlag und schaue sich mehrere Seiten an. Lesen ist nicht notwendig. Die letzte Zeile am unteren Rand endet immer auf der gleichen Höhe, nämlich am unteren Rand des Satzspiegels. Verpönt sind dabei einzeln stehende Zeilen von einem neuen Absatz, die sogenannten „Schusterjungen“. Nun könnte man auf die Idee kommen, die Zeilenabstände auf einer Seite so zu vergrößern oder zu verkleinern, bis es passt. Damit wird dem Dilettantismus noch mehr Raum gegeben. Abgesehen davon, dass dadurch der Grauwert einer gedruckten Seite sichtbar und störend verändert wird, zerschießt das auch die sogenannte Registerhaltigkeit. Die verlangt, dass nicht nur die Zeilen auf der linken und rechten Buchseite auf gleicher Höhe stehen, sondern auch die auf Vorderund Rückseite eines Buchbogens, damit sie nicht auf die jeweils andere Seite durchscheinen.

Nun denke bitte niemand, ich wäre vom Fach oder sei aus anderen Gründen der Druck- und Satz-Spezialist. Nichts davon. Druckvorlagen Konvertierung war absolutes Neuland für mich. Sensibilisiert hatten mich die gedruckten Testleserexemplare, deren Druckvorlage von mir ohne jedes Wissen und auf die Schnelle zusammengeschustert worden war und so auch ausschaute. Schon der erste genauere Blick zeigte, dass das nichts mit einem professionell gesetzten Buch zu tun hatte. Aber da wollte ich mit der endgültigen Fassung hin. Und lernen oder Erfahrungen machen, kann man vor allem mit Dingen, von denen man keine Ahnung hat. Wie so oft sind Google und YouTube extrem hilfreich, um sich diese Ahnung zu verschaffen. Irgendwann ist dann klar, auf was es ankommt. Es ist aber nicht offensichtlich, wie man da hinkommt.

Ich kann nachvollziehen, dass Amazon KDP meint, eine brauchbare Druckvorlagen Konvertierung sei kein Problem. Registerhaltigkeit oder Schusterjungen sind da kein Thema. Die wollen dein Buch veröffentlichen und daran verdienen. Aber warum Schreibprogramme für Autoren erzählen, man müsse nur den Text in das gewählte Buchformat bringen und alles sei gut, verstehe ich nicht. Natürlich funktioniert das, es sieht halt aus wie Tiefkühl-Fischstäbchen, wo man einen Fisch erwartet hatte.

Das Schreibprogramm Papyrus bot immerhin eine formatierte Vorlage, die meinen Vorstellungen zwar nahekam, aber nicht vollständig entsprach. Die nächsten zwei Tage waren ein Wechselbad kleiner Fortschritte und eklatanter Misserfolge. Ich versuchte, in diesem Programm mit welchen Mitteln auch immer meine Ideen zu optimieren und gleichzeitig die notwendigen Kompromisse zu minimieren. Ich habe umformatiert, was ging, und gelassen, was sich verweigerte. Ich weiß bis heute nicht, ob es an meiner Unfähigkeit oder an fehlenden Möglichkeiten lag.

Eigene Defizite will ich nicht ausschließen, weil es in Papyrus eine große Menge Formatvorlagen gibt, die noch nach individuellen Wünschen angepasst werden können. Mit diesen Vorlagen hatte ich mich nur im Ansatz beschäftigt, auch weil das Handbuch eher abschreckt. Die grafische Gestaltung dieses Handbuchs ist eine wüste Mischung von Bildbeispielen unterschiedlichster Größe mit Text aus vielen kursiven und fett geschriebenen Anteilen und Einzügen nach Absätzen. Am schlimmsten ist der Blocksatz, der bei kurzen Texten oft Abstände zwischen Wörtern produziert, die breiter sind als diese selbst. Auch inhaltlich klang das alles für meine Ohren wie eine maschinelle Übersetzung aus dem Chinesischen. Wer Handbücher von Apple Programmen kennt, weiß, wie man das besser machen kann. Alles in allem erhöhte das nicht die Lust, sich mit den Details von Papyrus auseinanderzusetzen, und dafür wird man bestraft.

In einem letzten verzweifelten Aufbäumen fragte ich den Support bei Papyrus, warum zum Beispiel das Programm beim Konvertieren auf ein anderes (intern angelegtes) Format immer eine komplette Leerseite vor Kapitelanfängen einfügt. Eine wenig hilfreiche Antwort bekam ich erst nach Tagen, als ich Papyrus schon hinter mir gelassen hatte und einen nächsten Versuch mit Pages, der Textverarbeitung von Apple, unternahm. Die Einrichtung war bei Pages nach einer viertel Stunde erledigt. Die Probleme im Detail kamen aber auch hier. Der Blocksatz erwies sich als deutlich schlechter als der in Papyrus – trotz mehr Silbentrennungen. Außerdem wurde der Satzspiegel so gut wie nie ausgenutzt. Die Seiten endeten fast alle auf unterschiedlichen Höhen.

Gespeist von Ärger und Unwillen fand meine Recherche im Netz schließlich einen Ankerpunkt bei professionellen Publishing Programmen. Das von vielen als Indesign-Alternative gepriesene Programm Affinity Publisher wurde gerade mit einem 50% Rabatt für rund 30 EUR angeboten. Das war mir einen Versuch wert. Wie sich zeigte: Für das, was diese Software leistet, ist das ein Spottpreis.

Man darf nicht davon ausgehen, so ein Programm zu installieren, und der Rest geht von selbst. Ich brauchte zwei volle Tage des Herumprobierens, Lesen im Handbuch und Lehrvideos schauen, um überhaupt die Grundbegriffe zu verstehen. Aber dann war es eine Freude, weil sämtliche Widerstände, die die anderen Programme geleistet hatten, hier nicht existierten. Wunderwerkzeuge, die alle meine Probleme lösten, waren die im Detail einrichtbaren Wortabstände, Buchstabenabstände inklusive minimal veränderbarer Buchstabengrößen, eine differenzierte Silbentrennung und nicht zuletzt das Grundlinienraster, das die Zeilen auf gleicher Höhe hält.

Dabei wurde mir klar, dass eine normale Textverarbeitung das nicht leisten kann, weil diese Werkzeuge nicht oder nur in Ansätzen vorhanden sind. Auch Papyrus hat diese nicht. Aber bei einer Software für Autoren wäre es fair, darauf hinzuweisen, wo die Grenzen gesetzt sind, und nicht so zu tun, als wäre alles möglich. Es hätte mir viel Zeit erspart.

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Letzter Beitrag: Amazon KDP Buchkategorien

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Amazon KDP Buchkategorien

Die Auseinandersetzung mit den Merkwürdigkeiten der Amazon KDP Buchkategorien hat etwas von einer Expedition in unbekannte Territorien. Was findet man da? Liebesromane, Liebesromane und Liebesromane, aber auch Kategorien wie „Horror für homosexuelle Paare“ oder Aktienratgeber in der Kategorie „Lyrik“. Letzteres ist möglicherweise die ultimative Konsequenz aus den Ratschlägen von Schreibblogs oder Autorencoaches, sich Kategorien auszusuchen, die nicht ganz so überlaufen sind, um unter die Top 100 des Amazon-Rankings in dieser Kategorie zu kommen. Gleichzeitig warnen diese davor, Bücher in unpassende Kategorien einzustellen, weil getäuschte Leser gerne mit negativen Bewertungen und Sterneentzug reagieren. Amazon selbst scheint das einigermaßen egal zu sein, obwohl die behaupten, das „befriedigende Kauferlebnis“ ihrer Kunden sei ihnen wichtig. Ich habe spaßeshalber mal die Aktien-Lyrik gemeldet. Keinerlei Reaktion.

Auffällig ist, dass einzelne Autoren ganze Amazon KDP Buchkategorien beherrschen. Unter den zehn Top-Titeln sind die mit bis zu acht Büchern vertreten. Im Übrigen klafft eine riesige Lücke zwischen den vielen verschiedenen Kategorien bei veröffentlichten Büchern und den wenigen Kategorien, die vor dem Upload eines Buchs zur Auswahl stehen. Das ist für den unbedarften Debütanten schwer zu verstehen. Vermutlich gibt es da nichts zu verstehen, weil die meisten dieser Kategorien von Amazon selbst verteilt werden. Basis sind die eingereichte Buchbeschreibung und die Stichworte, vielleicht auch Begriffe innerhalb der kommenden Bewertungen.

Im Internet finden sich nicht nur Hinweise dazu, sondern auch umfangreiche Listen dieser nicht auswählbaren Kategorien. Zugang gibt es aber, indem man sich mit dem KDP-Kundenservice in Verbindung setzt. Das war eine extrem positive Erfahrung. Der Support ist freundlich, hilfsbereit und schnell. Die Kategoriepfade, die ich mühsam recherchiert hatte, waren zwar falsch, aber mir wurden zunächst die korrekten Quellen dafür genannt und dann kam auch schon die abschließende Mail mit diesem Inhalt:

Wie gewünscht habe ich Ihr Buch den folgenden Kategorien hinzugefügt:

ASIN/ISBN: B08WYJLM7P

1. Belletristik -> Vereinigte Staaten

2. Belletristik -> Gegenwartsliteratur

3. Reise & Abenteuer -> Reiseführer nach Städten -> Amerikanische Städte

4. Belletristik -> Literarische Belletristik -> Klassisch

5. Belletristik -> Populäre Belletristik -> Urlaub

6. Belletristik -> Populäre Belletristik -> Urban

Diese Änderungen werden innerhalb von 72 Stunden auf der Amazon-Website übernommen.

Wenige Tage später stand mein eBook in der Kategorie „Bestseller Stadtführer Amerika“ auf Platz 1 und in der Kategorie „Klassische Literarische Belletristik“ immerhin auf Rang 73 und damit einen Platz besser als Der Idiot vom Altmeister Dostojewski.

Trotzdem brachte mich dieser vordergründige Erfolg mit den Amazon KDP Buchkategorien zum Grübeln. Es kann der Kundenzufriedenheit nicht dienlich sein, wenn Autoren oder Verlage sich Nischen selbst aussuchen, um dort auf vordere Plätze im Amazon-Ranking zu kommen. Überhaupt sind mehr als einhundert Kategorien zu viele für eine differenzierte Wahrnehmung beim potenziellen Leser oder Käufer. Warum also das Alles? Die Antwort kennt nur Amazon. Aber so lange die Verhältnisse so sind, wie sie sind, wäre es eine Unterlassung, nicht in gewissen Grenzen mitzuspielen.

In Sachen „Stadtführer Amerika“ bin ich überzeugt, dass mein Buch für einen Besucher von Chicago oder Charleston eine echte Bereicherung darstellt. Verschiedene Ecken in beiden Städten werden so ausführlich dargestellt, wie es in keinem Reiseführer zu finden ist. Zudem handelt es sich weniger um die ausgetretenen Touristenpfade als um Gegenden, in denen mehr die Einheimischen und die Insider unterwegs sind. Im Übrigen eignet sich der Roman und die darin erzählte Geschichte vorzüglich als Lektüre für eine Städtereise in den USA.

Was die „Klassische Literarische Belletristik“ angeht, fehlen mir solche Argumente. Vor allem für die „Klassik“ braucht es wohl noch ein paar Jahrzehnte. Aber es war ja auch nur Rang 73.

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Letzter Beitrag: Veröffentlichung auf Amazon KDP: eBook Konvertierung

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Veröffentlichung auf Amazon KDP: Vorbereitungen

Unabhängig von allen weiteren Überlegungen, welche Plattformen für das eigene eBook und korrespondierende Printformate langfristig in Frage kommen, hatte ich mich beim eBook für eine Veröffentlichung auf Amazon KDP (Kindle Direct Publishing) entschieden. Grund ist ein interessantes Spezialprogramm. Und Amazon legt keinen Wert auf irgendwelche Exklusivität, außer …, ja außer man will in dieses besondere Programm. Ich spreche von KDP Select, einem Abonnement, mit dem Amazonkunden für einen Pauschalpreis nahezu beliebig viele eBooks lesen können.

Einer Veröffentlichung auf Amazon KDP geht die Einrichtung des eBooks voraus. Dafür braucht es außer dem Titel und Untertitel vor allem die „Beschreibung“. Das sind die Details zu Inhalt und Autor. Außerdem fragt Amazon nach „Stichwörtern“ und „Kategorien“. Klar, das Buch selbst muss in der Konvertierung für Kindle eBooks auch vorliegen.

Titel, Beschreibung und Stichwörter dienen der Information eines potenziellen Käufers. Die Stichwörter bleiben im Gegensatz zu den ersten beiden unsichtbar. Ihr Nutzen blüht im Verborgenen, nämlich bei der Eingabe von Schlüsselwörtern in die Amazon-Suchmaske.

Menschen, die Suchmaschinen nicht nur als Nutzer, sondern auch als Anbieter kennen, wissen, dass Keywords für die Sichtbarwerdung (blödes Wort, ich weiß …) eines Produkts die zentrale Rolle spielen. Das ist bei Amazon so, bei jedem anderen Online-Shop und überall im Internet, wenn irgendetwas gesucht wird.

Aus diesem Grund sollte jeder Satz im Zusammenhang mit der Veröffentlichung auf Amazon KDP unter dem Aspekt geeigneter Suchbegriffe optimiert werden. Für mich war das ein weiteres Motiv, den Buchtitel zu ändern. Chicago, Chevy und Charleston bringen den Inhalt deutlich besser rüber als Ruhe im Süden, wonach eher Rentner bei der Planung ihres Lebensabends suchen.

Die Beschreibung muss dem Inhalt des Buchs gerecht werden. Das ist man dem Leser schuldig. Gleichzeitig kann man hier Begriffe unterbringen, am besten als Substantiv, die das Potenzial für ein Keyword haben. Eine mehrtägige Autofahrt quer durch die USA ist ein Roadtrip, und warum sollten Leser nicht danach suchen? Nur am Rand: Begriffe oder Suchwörter, die bei der Eingabe in die Amazon-Suchmaske in der darunter aufploppenden Auswahl auftauchen, sind ideal, weil oft nach ihnen gesucht wird. Wenn sich da etwas für das eigene Buch findet, sollte man es verwenden.

Über die Relevanz der „Stichwörter“ schweigt sich Amazon aus, aber die Tatsache, dass danach gefragt wird, lässt hoffen. Doubletten machen wenig Sinn: Was bereit im Titel und in der Beschreibung untergebracht wurde, muss hier nicht wiederholt werden. Ich habe die Stichwörter genutzt, um Themenbereiche eindeutig zu benennen, die im Buch von größerem Interesse sind, wie Religion, Architektur oder Landschaften.

Amazons Kategorien für eBooks und Bücher sind ein Kapitel für sich. Außerdem lassen sich manche Entscheidungen erst nach der Veröffentlichung des Buchs treffen. Deshalb im kommenden Beitrag ein paar Worte zur eBook Konvertierung und zum Upload.

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Letzter Beitrag: Buchcover

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Buchtitel

Das Manuskript stand. Jetzt war die Verpackung dran. Seit der Irritation eines Testlesers in Bezug auf den Buchtitel war ich selbst nicht mehr überzeugt von Ruhe im Süden. Es erschien mir zu unspezifisch und erst recht verwirrend für die Leser, die nicht verstehen, dass es eine Analogie zu „Ruhe in Frieden“ sein soll.

In ruhigen Momenten hatte ich immer wieder mit Wortkombinationen und Titelvarianten gespielt. Wichtig schien mir die direkte Verbindung vom Titel zu der Geschichte im Buch. Irgendwann standen drei Wörter auf einem Blatt: Chicago, Chevy, Charleston. Zack, zack, zack! Das gefiel mir. Als ich es drei Tage später immer noch gut fand, war die Entscheidung getroffen. Der neue Buchtitel hieß ab sofort Chicago-Chevy-Charleston. Damit war der USA-Bezug da, die Ortsveränderung und der Chevy als sachlicher Protagonist.

Nach ein paar Tagen bekam ich kalte Füße wegen des neuen Titels. Schreiben heißt auch, kontinuierlich zu recherchieren. Wenn ich nicht Details der eigentlichen Geschichte nachspürt habe, war ich ständig auf der Spur von Informationen zu Arbeitsschritten, die gerade anlagen. Ich stieß auf einen Artikel, der sich mit dem Gebrauch von Markennamen in Buchtexten beschäftigte. Der „Chevy“ kommt in meinem Buch über 100 Mal vor, und es ist ein Irrtum zu glauben, das sei was anderes als ein „Chevrolet“. „VW“ wäre hier ebenfalls gleichzusetzen mit „Volkswagen“.

Firmennamen, Produkte und Marken scheinen aber, so weit ich es richtig verstanden habe, keinen diesbezüglichen Schutz zu genießen, wenn nicht unbewiesene Behauptungen oder diffamierende Beleidigungen im Zusammenhang stehen. Was die Nennung eines Markennamens im Buchtitel angeht, dazu stand da nichts.

Im Blog der Selfpublisherbibel von Matthias Matting, einem nahezu unverzichtbaren Fundus für Selfpublisher, gibt es einen informativen Beitrag über Markennamen im Buchtext. Aber auch hier findet die Marke im Buchtitel keine Erwähnung. Ich machte eine Anfrage im Blog und bekam umgehend Antwort. Alles stände im Artikel, und es dürfe keine Rechtsberatung im Einzelfall erfolgen. Ächz!

Ich schrieb einem alten Freund und Markenanwalt und schilderte das Problem mit der Maßgabe, er solle eine Beratung abrechnen, wenn es ausführlicher werden müsste. Musste es nicht. Er rief mich zurück und erklärte, dass das unproblematisch sei. Er verwies auf Buchtitel bei Amazon, in denen „Volkswagen“ vorkommt. Danke! Später warf ich meinen „Chevy“ in die Suchfunktion von Amazon, und ein Buch mit dem Titel „Chevy Blues“ tauchte auf. Hätte ich auch früher drauf kommen können.

Auch das war eine wichtige Erfahrung: Nach der Entscheidung, mich als Selfpublisher zu versuchen, war ich auf mich alleine gestellt. Alles Weitere würde von mir bestimmt, aber auch von mir verantwortet werden. Das schließt nicht aus, sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn man an die eigenen Grenzen kommt.

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Letzter Beitrag: Go Your Own Way – Teil 2

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Buchprojekt: Go Your Own Way – Teil 2

Das Exposé stellt einen elementaren Bestandteil von einem Buchprojekt dar. Kein Mensch und erst Recht kein Agent oder Verleger liest das Buch, um einen Eindruck zu bekommen, um was es geht. Ein vollständiges Exposé (im Gegensatz zum Kurzexposé) enthält eine ausführliche und eine kurze Inhaltsangabe (den sogenannten „Pitch“), eine Kurzbiografie des Autors inklusive Foto, Angaben zum Regionalbezug, Genre und zur Zielgruppe. Je nachdem, für wen das Exposé gedacht ist, auch das Coverfoto und den Klappentext. Bei den Agenturen lässt man Cover und Klappentext tunlichst weg, weil das üblicherweise vom Verlag festgelegt wird. Dafür müssen hier zusätzlich der Arbeitstitel, Angaben über den Stand vom Buchprojekt und voraussichtliche Länge des Manuskripts hinein, außerdem ein paar Sätze zum literarischen Umfeld, also zu vergleichbaren Büchern bzw. Autoren mit ähnlichen Themen.

Das Exposé ist nach dem Anschreiben das erste, was ein Literaturagent liest. Es ist die Visitenkarte von Buch und Autor, und wenn hier beim Leser Zweifel aufkommen, hat man schon verloren. Im Übrigen bieten die Agenturen das Buch mit Hilfe dieses Exposés den Verlagen an. Deshalb ist es wichtig, beim Verfassen jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Für das Exposé von Chicago-Chevy-Charleston habe ich mir mehrere Tage Zeit genommen und jede Fassung immer wieder mit einer Nacht Abstand gelesen und verbessert.

Ist es mit einem Verlag nichts geworden, mausert sich das Exposé erst recht zum ständigen Begleiter. Die vollständige Fassung oder Teile davon braucht man bei einem Buchprojekt ständig, nämlich für sämtliche Verkaufsplattformen, für Werbung im Internet oder auf Flyern, für die Einreichung zu Wettbewerben und vieles mehr.

Die Leseprobe ist das einfachste. Das Manuskript ist die Grundlage dafür und muss lediglich auf die gewünschte Länge gekürzt werden. Diese bewegt sich üblicherweise zwischen zehn und 50 Seiten. In Einzelfällen werden zwei Kapitel oder das komplette Manuskript (so weit vorhanden) angefragt. Ich habe immer die ersten beiden Kapitel als Leseprobe beigelegt, weil das den maximal 30 Seiten entsprach, die die von mir ausgewählten Empfänger haben wollten. Den Wunsch nach „zehn Seiten maximal“ habe ich ignoriert, weil jeder jederzeit aufhören kann zu lesen, wenn es ihm reicht.

Von den neun Agenturen auf meiner Liste habe ich fünf angeschrieben. Nicht gleichzeitig, sondern maximal zwei auf einmal, um – aus heutiger Sicht eine größenwahnsinnige Annahme – nicht mit zu vielen parallel verhandeln zu müssen. Das Feedback war niederschmetternd – weil nicht vorhanden. Ich bekam eine einzige Eingangsbestätigung von einem Auto-Responder.

Ich hatte auch die Agentin angeschrieben, bei der die Sachbuchautorin unter meinen Testlesern ihren Vertrag hat. Diese Testleserin sagte mir aber vorab, die Agentin sei mittlerweile mehr an ihrem Hund interessiert als an neuen Autoren. Insofern wäre das weniger eine Empfehlung als ein Hinweis. Ich dürfe mich jedenfalls gerne auf sie beziehen. Das machte ich und bekam erstaunlicherweise innerhalb Stunden eine Antwort. Die Aussage der Agentin war, sie würde sich meine Materialien im Lauf des kommenden Wochenendes anschauen. Das war das Erste und das Letzte, was ich aus dieser Richtung hörte. Auf ein freundliches Nachfassen mehrere Wochen später kam keine weitere Reaktion.

Ich will nicht ausschließen, dass diejenigen, die in den Agenturen meinen Text in die Hand genommen haben (wenn überhaupt), davon so erschreckt waren, dass ihnen die Worte fehlten. Es würde mich aber wundern. Dennoch, selbst dann ist das ein merkwürdiges Verhalten. Diese Branche hat offensichtlich in Sachen Etikette etwas andere Gebräuche als die sonstige Wirtschaft. Unverständlich, warum man für das Sichten eines Manuskripts acht bis zwölf Wochen benötigt, und noch unverständlicher, warum es offenbar eine Zumutung ist, einen Textbaustein als Absage zu schicken. Und dann verlangen einige noch die Auskunft, wo man sein Manuskript parallel angeboten hat. Das ist wie eine Firma, die fragt, auf welche offenen Stellen ich mich sonst beworben habe. Dafür, dass dies eine Kulturbranche ist, fehlt es im Umgang genau daran: an Kultur.

Im Lauf dieser Wochen, in denen ich auf Antworten wartete, die nicht kamen, verdichtete sich mein Entschluss, bei meinem Buchprojekt auf Literaturagenten und Verlage zu verzichten. Parallel hatte ich angefangen, mich in die Materie von Herstellung und Vermarktung von Büchern im Eigenverlag zu beschäftigen. Dabei tauchte eine Reihe von spannenden Details auf, die ich als eine neue Herausforderung sah.

Und dann stieß ich auf einen ausführlichen Blogbeitrag von Hugh Howey, einem amerikanischen Autor, der mit seiner Wool Trilogie im Selbstverlag ein Millionenpublikum erreichte. Diese Bücher sind mittlerweile als Übersetzung in Verlagsausgaben in circa 17 Ländern erhältlich, aber das amerikanische Original erschien 2012 bei Amazon KDP.

Howeys Beitrag (Writing Insights Part Four: Publishing Your Book) ist eine flammende Fürsprache zugunsten des Selfpublishing, was nicht wundert, wenn man Millionen Exemplare auf diesem Weg verkauft hat. Dennoch sind viele seine Pros und Cons Fakten, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Das alles habe ich eine Zeit lang bei mir sacken lassen. Dann stand die Entscheidung: Ich mache das selbst.

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Letzter Beitrag: Go Your Own Way – Teil 1

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Go Your Own Way – Teil 1

Von vornherein gab es einen Zwiespalt in mir. Wenn man sich sein ganzes Berufsleben mit wirtschaftlichen Dingen beschäftigt hat, wird das Prinzip der Arbeitsteilung zur inneren Überzeugung. Lass Spezialisten ran, wo du selbst keine Ahnung hast. Die Inspektion am Auto machen auch die wenigsten ohne Werkstatt.

Andererseits sehe ich es als eine persönliche Herausforderung, Projekte alleine zu Ende zu bringen und die Systematiken durchblicken zu wollen, die hinter den Dingen stehen. Gäbe es nicht die Möglichkeiten des Selfpublishing, hätte ich mein Buchprojekt wahrscheinlich nicht gestartet. Heißt, ich habe von Anfang an damit gerechnet, das Ding gegebenenfalls selbst durchzuziehen.

Nun vergibt man sich ja nichts bei dem Versuch, einen Verlag bzw. einen Literaturagenten für das eigene Manuskript zu interessieren. Auf dem langen Weg zu einem Vertrag ist ein Aussteigen jederzeit möglich, und wie hier früher beschrieben, bietet eine Verlagsveröffentlichung so viele Vorteile, dass es fahrlässig wäre, nicht wenigstens den Versuch zu machen.

Diese Überlegungen begleiten einen von Anfang an. Sie werden umso deutlicher, je mehr es dem Ende des Schreibens zugeht. Irgendwann schaut man der potenziell frustrierenden Angelegenheit ins Auge und beginnt mit den konkreten Vorbereitungen.

Für den Kontakt mit Agenturen oder Verlagen braucht es nicht viele Unterlagen. Diese sollten aber so gelungen wie möglich sein, um aus der Menge der Einsendungen herauszustechen, die täglich beim Empfänger eintreffen. Ein Vorteil ergibt sich daraus, dass das Exposé für die unterschiedlichsten Zwecke sowieso benötigt wird.

Drei Dokumente sind erforderlich:

  • Anschreiben
  • Exposé
  • Leseprobe

Beim Anschreiben ist das Schwierigste die Frage, wer überhaupt angeschrieben werden soll. Es gibt jede Menge Verzeichnisse von Literaturagenturen, und die Anzahl der dort genannten Adressen liegt in der Größenordnung von über hundert. Das Handbuch für Autorinnen und Autoren (Uschtrin Verlag) ist da hilfreich. Zu jeder Agentur nennt es relevante Details wie die vertretenen Genres, die Ansprechpartner, die Verlage, mit denen zusammengearbeitet wird, und einiges mehr.

Auf dieser Grundlage schaute ich mir anschließend die Webseiten der ausgewählten Agenturen an. Dort bekommt man schnell ein Gefühl und die Fakten, ob eine Agentur zum Manuskript und einem selbst passen könnte. Hier finden sich die Einzelheiten für eine Einreichung: per Mail oder auf dem Postweg, Länge der Textprobe, Wartefrist und die Frage nach Paralleleinsendungen bei anderen Agenturen. Alle, die mir interessant erschienen, habe ich mit diesen Details in eine Excel-Liste gepackt. Wie immer gibt es ein paar Exoten, die keine PDFs nehmen, sondern die Unterlagen als Word-Datei wollen. Eine hatte einen Fragebogen auf der Webseite, der die Grenzen des Datenschutzes sprengte. Solche Agenturen habe ich für mich als unbrauchbar klassifiziert. Unter dem Strich standen schließlich neun Literaturagenturen, die in Frage kamen.

Das Anschreiben kann kurz gehalten werden. Wichtig ist eine namentliche Ansprache. Wenn in den „Kontakten“ der Webseite kein Ansprechpartner genannt wird, ist es in jedem Fall besser, den gesetzlichen Vertreter aus dem „Impressum“ zu nehmen als das wenig verbindliche „Damen und Herren“. Ein Hinweis, warum diese Agentur als die Passende erscheint, macht Sinn. Chicago-Chevy-Charleston hat seinen Ursprung in einem Filmexposé, und das Buch hat nach wie vor eine starke Bildsprache. Für eine Agentur, die die Option einer Filmauswertung explizit auf ihrer Webseite nennt, ist das beispielsweise ein wichtiger Anhaltspunkt. Was Agenturen und Verlage ebenfalls mit Wohlwollen sehen, ist die Bereitschaft zu crossmedialen Aktivitäten für die Buchpromotion. Wer sein Autorendasein mit Social Media Aktivitäten oder einer eigenen Webseite begleitet, sollte das erwähnen. Wenn das Anschreiben einen persönlichen und individuellen Charakter hat und eine klare Aussage mit sich bringt, sind die eigenen Karten jedenfalls besser als mit einer offensichtlichen Massenaussendung.

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Verlag oder Selfpublishing?

Verlag oder Selfpublishing – das ist die große Weggabelung, die der buchschreibende Debütant erreicht, wenn er sein Manuskript als reif für die Veröffentlichung ansieht. Wie geht es jetzt weiter? Nach links oder nach rechts?

Tatsächlich werden sich die meisten Autoren viel früher, wenn nicht von Anfang an Gedanken gemacht haben, welchen Weg sie gehen wollen. Es gibt unendlich viele Informationen und Meinungen zu dem Thema Verlag oder Selfpublishing, und je mehr man liest, desto verwirrender wird es. Aber an dieser Entscheidung geht kein Weg vorbei. Allerdings handelt es sich nur bedingt um eine eigene Entscheidung. Wenn die Verlagsveröffentlichung eine Option ist, redet möglicherweise ein Verlag bei den weiteren Schritten mit. Letztlich lautet die Frage: Mache ich es gleich selbst, oder versuche ich erst, einen Verlag für mein Manuskript zu interessieren?

Einen Verlag von vorneherein auszuschließen, hat für mich aus heutiger Sicht etwas nahezu Masochistisches. Entweder man will sein Ding durchziehen, um zu sehen, wie weit man es ohne fremde Einflussnahme bringt, oder man hat einen hohen Grad an Selbstvertrauen, was die Kommunikation in Social Media bzw. eigenen Netzwerken angeht. Beides setzt im Übrigen Zeit und Geld für Marketingaktivitäten voraus.

Es gibt bestimmte Genres, die sich für Selfpublishing anbieten, nämlich Fantasy und Science-Fiction. In der belletristischen Literatur rangieren sie bei den meisten Verlagen auf hinteren Plätzen. Dafür haben beide Genres einen großen Stamm eingefleischter Fans, die in den sozialen Medien gut organisiert und sichtbar sind. Wenn ein Autor es schafft, das Herz dieser Gemeinde zu erobern, braucht er wohl wirklich keinen Verlag.

Bei einem „normalen“ Debütroman sieht das anders aus. Für den Buchhandel und seine Kunden, aber auch für Zeitungsrezensenten und Literaturblogger hat der Verlag eine positive Filterfunktion. Ein Verlag ist ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen. Also muss das Produkt gewisse kommerzielle Kriterien erfüllen: der äußeren Form nach sowieso (Cover, Klappentext, Rechtschreibung), aber auch inhaltlich, was Anforderung an Sprache, Stil und Dramaturgie angeht. Außerdem machen Verlage Marketing. Sie drucken Kataloge, schicken Vertreter in Buchhandlungen und versenden Rezensionsexemplare an die Medien. Damit ist ein Mindestmaß an Öffentlichkeit und Sichtbarkeit gewährleistet.

Mit Verlagstiteln gehen Käufer und Buchhandlungen also ein deutlich geringeres Risiko ein. Beim Buchhandel ist das Risiko weniger ein finanzielles als das des Handlings. Bei 70.000 Verlagsneuerscheinungen (im Jahr 2020) muss der Buchhandel auswählen, weil er nur für einen Bruchteil Präsentationsmöglichkeiten hat. Warum dann das Risiko mit einem selbstverlegten Titel eingehen, der praktisch keine Chancen hat, in überregionalen Zeitungen oder im Fernsehen rezensiert und damit öffentlich gezeigt zu werden? Vertriebstechnisch spricht nahezu alles für den Verlag.

Wo Licht, da Schatten: Die Nachteile müssen ebenfalls genannt werden. Verlage nehmen erheblichen Einfluss auf Form und Inhalt eines Buchs. Die Marketingabteilung hat im Zweifel neue Ideen, was den Titel angeht, die Umschlaggestaltung wird leserkompatibel und aufmerksamkeitswirksam optimiert. Wenn man sich damit abfindet, hat man immerhin weniger Arbeit. Die gewonnene Zeit kann man dann mit den Änderungswünschen des Lektorats verbringen, wobei Stil und Formulierungen noch Petitessen sind. Je nachdem ist dann auch schon mal eine andere Stimmung oder ein neuer Schluss angesagt. Aber immerhin: Ein Verlag machte das nicht, wenn er nicht der Meinung wäre, das Buch ist es wert.

In der Konsequenz heißt das: Kann man sich als Autor an den Gedanken gewöhnen, in der eigenen kreativen Arbeit einen Begleiter zu haben und Einfluss abzugeben? Wenn ja, sollte der Versuch, einen Verlag zu finden, nicht erst gemacht werden, wenn das Manuskript fertig vorliegt. Diese Entscheidung sollte spätestens im fortgeschrittenen Schreibprozess getroffen werden, damit gewünschte Korrekturen direkt eingearbeitet werden können und Änderungen an der Geschichte von vornherein diskutiert und vor dem Schreiben entschieden werden können.

Aber wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, einen Verlag zu finden, der das Risiko mit einem Debütautor eingeht?

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Letzter Beitrag: Korrektorat

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